• Projekte im Bereich Landwirtschaft

    Grundwasserschutz in der konventionellen Landwirtschaft

    Weizenanbau und Sreuobstwiese im Werntal
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Ackern für das Grundwasser

Nitrat ist das Hauptproblem des unterfränkischen Grundwassers. Es gelangt vor allem durch stickstoffhaltige Mineraldünger in die vielerorts durchlässigen Böden und so auch ins Grundwasser. Vor allem unter Äckern, die zeitweise vegetationsfrei sind, können beträchtliche Mengen von Nitrat ins Grundwasser sickern. Doch Landwirte können aktiv dazu beitragen, den Nitratwert im Grundwasser deutlich zu senken.

Gute fachliche Praxis

Die Basis des Grundwasserschutz für alle Landwirte ist es, nach den Grundsätzen der „Guten fachlichen Praxis“ (GfP) zu wirtschaften. Dazu gehören die nachhaltige Sicherung der Bodenfruchtbarkeit und Leistungsfähigkeit des Bodens, der Schutz von Wasser, Pflanzen- und Tierwelt, die Erhaltung natürlicher Landschaftselemente wie Hecken etc., eine im Verhältnis zur bewirtschafteten Fläche ausgewogene Tierhaltung, der Schutz des Grünlandes in bestimmten Gebieten sowie die Anwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln nach Maßgabe des landwirtschaftlichen Fachrechts. Ausführungen zur GfP findet man im

  • Bodenschutzgesetz, § 17
  • Bundesnaturschutzgesetz, § 5
  • Pflanzenschutzgesetz, § 3

Fördermaßnahmen

Die Grundsätze der guten fachlichen Praxis sind in Unterfranken aufgrund der natürlichen Gegebenheiten häufig nicht ausreichend, um das Grundwasser ausreichend vor Einträgen aus der Landwirtschaft zu schützen. Um extensive Bewirtschaftungsweisen zu fördern und Leistungen der Landschaftspflege und des Naturschutzes durch Landwirte zu honorieren, bietet das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit (StMUG) verschiedene Agrarumweltmaßnahmen (AUM) an. Dazu gehören das Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) und das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP/EA). Informationen zu den AUM findet man im

  • Förderwegweiser – Agrarumweltmaßnahmen (AUM) des StMELF
Traktor mit Stoppelhobel

Inhalte auf dieser Seite

Grundwasserschutzmaßnahmen im Ackerbau

Ackerbau kommt nicht ohne Stickstoffzufuhr aus. Zum falschen Zeitpunkt ausgebrachte oder zu hohe Düngermengen werden jedoch von den Ackerpflanzen nicht vollständig aufgenommen. Überschüssiger Stickstoff kann als Nitrat ins Grundwasser gelangen.

  • Sparsam düngen: Grundsätzlich sollte nur soviel Stickstoffdünger ausgebracht werden, wie die Pflanzen verwerten können. Bodenuntersuchungen, die den Gehalt an pflanzenverfügbare Nährstoffen, den pH-Wert und ggf. den Humusgehalt bestimmen, können helfen, den Bedarf an Nährstoffen zu ermitteln.
  • Extensive Fruchtfolgen (wie z.B. Brauweizen – Dinkel – Winterbraugerste – Roggen – Sommergerste – Hafer oder Sonnenblumen – Raps, alle 5 Jahre – Lein – Hanf – Hirse) bzw. Anbau von Kulturen mit geringem Stickstoffbedarf (wie Roggen, Braugerste): Muss im Verhältnis zum Entzug nur wenig Stickstoff gedüngt werden, ist die Gefahr der Nitratauswaschung geringer.
  • Zwischenfruchtanbau: Die Bedeckung des Bodens mit Pflanzen schützt den Boden vor Erosion und verbessert das Wasserhaltevermögen. Zwischenfrüchte speichern Stickstoff und stellen ihn Folgefrüchten zur Verfügung. Sie tragen zum Humusaufbau bei und stabiliseren das Bodengefüge. Zwischenfrüchte können helfen, Unkräuter zu unterdrücken und im Herbst als Futter genutzt werden. Zudem bieten sie Nahrung und Rückzugsraum für Insekten, Vögel und Niederwild.
    Tipps für Praktiker zum Zwischenfruchtanbau und Anbaubeispiele finden Sie im Faltblatt „Anbau von Zwischenfrüchten“ (PDF, 1,2 MB)
  • Grünbrache: Extensive Begrünung mit Gras mit Verzicht auf Bearbeitung, Düngung und Ernte. Besonders auf Grenzertragsböden kann dadurch die Nitratauswaschung deutlich verringert werden.
  • Verzögerung bzw. Verminderung der Bodenbearbeitung: Einfache Maßnahme, die die Gefahr von Erosion und von Nitratverlagerung in begrenztem Umfang verringert.

Weitere Informationen:

  • Beratung zum grundwasserverträglichen Ackerbau bietet das zuständige Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (siehe „Externe Links“)
  • Grundwasserschutz als gemeinsame Aufgabe von Wasserversorgern und Landwirten: Pilotprojekt Werntal
Traktor mit Scheibenegge

Grundwasserfreundliche Grünlandbewirtschaftung

Grünland hat im Hinblick auf den Grundwasserschutz viele Vorteile. Der dauerhafte Bewuchs kann mögliche durch die Bewirtschaftung verursachte Belastungen des Grundwassers abmildern oder sogar verhindern und schützt den Boden vor Erosion. Pflanzenschutzmaßnahmen werden im Grünland nur in Ausnahmefällen eingesetzt und Nährstoffe werden ganzjährig durch das Pflanzenwachstum gebunden. Die extensiv genutzte Wiese ist aus der Sicht des Grundwasserschutzes die optimale Landnutzungsform. Das Grünland muss durch eine landwirtschaftliche Tierhaltung verwertet werden, wie z.B. durch extensive Mutterkuhhaltung.

  • Reduzierung der Tierzahlen pro Flächeneinheit
  • Verzicht auf mineralische und zusätzliche organische Düngung
  • Vermeidung von Pflanzenschutzmaßnahmen
  • Einhaltung von Abstandsregelungen zum Schutz vor Einträgen in das Gewässer
  • Regelmäßige mechanische Pflege des Grünlandes (Abschleppen, Striegeln, Walzen) zur Erhaltung eines leistungsfähigen Pflanzenbestands
  • Grünlanderneuerung über Direkteinsaat ohne Bodenbearbeitung

Weitere Informationen:

  • Beratung zur grundwasserverträglichen Grünlandbewirtschaftung bietet das zuständige Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (siehe „Externe Links“)
  • Grundwasserschutz als gemeinsame Aufgabe von Wasserversorgern und Landwirten: Pilotprojekt Werntal
  • Naturschutz und Landschaftspflege durch extensive Beweidung: Grünlandprojekt Biospärenreservat Rhön (PDF-Datei)
Artenreiche Wiese

Maßnahmen für grundwasserverträglichen Gartenbau

Weinbau und Gartenbau sind im sonnenreichen Unterfranken bedeutende Wirtschaftszweige. Doch es sind auch intensive Produktionsverfahren mit Auswirkungen auf das Grundwasser. Moderne pflanzenbauliche Verfahren und Konzepte können dazu beitragen, Wasser einzusparen und den Eintrag von Schadstoffen oder Nitrat ins Grundwasser zu vermeiden.

  • Allgemeine Maßnahmen:
    • Einsatz standortangepasster, robuster Sorten
    • termingerechte Bodenbearbeitung
    • ausgewogene Düngung und Fruchtfolgen
  • Wasserverbrauch reduzieren:
    • Wasserbedarf der Pflanzen beachten
    • Tröpfchenbewässerung
    • Verdunstungsverluste vermeiden
  • Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel vermeiden:
    • Pflanzenbehand­lungsmittel auf natürlicher Basis (z.B. Pyrethrum oder Bacillus-Thuringiensis-Präparate)
    • Einsatz von Nützlingen wie Florfliegen, Marienkäfern, Raubmilben und Schlupfwespen

Weitere Informationen:

Erdbeeranbau im Folientunnel

Maßnahmen für grundwasserverträglichen Weinbau

  • Eine Begrünung der Weinberge fördert die biologische Vielfalt, senkt die Nitratauswaschung, verbessert  den Wasserhaushalt und reduziert die Bodenerosion.
  • Der Einsatz von Düngemitteln ist auf die zugelassenen Zeiträume zu beschränken und dem ermittelten Bedarf anzupassen.
  • Eine Schädlingsregulierung durch Nützlinge ist zu bevorzugen und nur im Notfall auf synthetische Pflanzenschutzmittel zurückzugreifen.
  • Bäume, Büsche und Hecken bieten Lebensraum für viele Tierarten – nicht zuletzt für die Nützlinge.

Weitere Informationen:

Weinbau am Main

Mit Zwischenfrüchten das Grundwasser entlasten

Der Anbau von Zwischenfrüchten ist aktiver Grundwasserschutz und bietet viele weitere Vorteile: Die Bedeckung des Bodens mit Pflanzen schützt den Boden vor Erosion und verbessert das Wasserhaltevermögen. Zwischenfrüchte speichern Stickstoff und stellen ihn Folgefrüchten zur Verfügung. Sie tragen zum Humusaufbau bei und stabiliseren das Bodengefüge. Zwischenfrüchte können helfen, Unkräuter zu unterdrücken und im Herbst als Futter genutzt werden. Zudem bieten sie Nahrung und Rückzugsraum für Insekten, Vögel und Niederwild.
Die Kampagne zur Förderung des Zwischenfruchtanbaus will Landwirte über finanzielle Unterstützung und Beratung ermutigen, Zwischenfrüchte anzubauen. In einer Pilotphase von 2011 bis 2012 wurden einige konventionelle Landwirte auf rund 200 Hektar beim Zwischenfruchtanbau durch die Aktion Grundwasserschutz finanziell unterstützt. Dafür mussten sie bestimmte Auflagen erfüllen, z.B. hinsichtlich Saat- und Umbruchtermin oder Düngung. Wenn Sie Informationen über die Kampagne haben wollen, können Sie sich an die Wasserschutzberater der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wenden:

  • für die Landkreise WÜ, KT:
    Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen
    Tel. 09321 3009-0
    E-Mail: poststelle@aelf-kt.bayern.de
  • für die Landkreise HAS, SW, NES, KG:
    Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt
    Tel. 09721 8087-10
    E-Mail: poststelle@aelf-sw.bayern.de
  • für die Landkreise MSP, MIL, AB:
    Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt
    Tel. +49 9353 7908-0
    E-Mail: poststelle@aelf-ka.bayern.de

Tipps für Praktiker zum Zwischenfruchtanbau und Anbaubeispiele finden Sie im Faltblatt „Anbau von Zwischenfrüchten“

Ernte der Zwischenfrucht Senf

Download Faltblatt

Mit Bier das Grundwasser schützen

Grafik Vergleich Düngerabgaben bei Brotweizen und Braugerste

In Franken herrscht heute noch die höchste Brauereidichte der Welt. Rund 50 Brauereien gibt es allein in Unterfranken. Somit ist auch der Anbau von Braugetreide dort traditionell stark verwurzelt. Die vergleichsweise trockene Region bietet optimale Standortvoraussetzungen für den Braugerstenanbau. Und die Brauereitradition bringt auch Vorteile für den Grundwasserschutz: Die Brauereien benötigen Malz aus möglichst eiweißarmer Gerste. Damit kann der Landwirt beim Anbau von Braugerste auf intensive Düngung verzichten. Folglich gelangt weniger Nitrat in den Boden als beispielsweise beim Anbau von Brotweizen (siehe Abbildung).
Allerdings hat sich die Anbaufläche von Braugetreide in Unterfranken in den letzten 25 Jahren halbiert. Weil viele Verbraucher preisgünstige Ware verlangen, suchen Brauereien häufig das billigste Braugetreide, anstatt auf dessen regionale Herkunft Wert zu legen. Diesem Trend sollten Brauereien und Landwirte gemeinsam entgenwirken. Denn Bier aus regionalem Braugetreide hat Vorteile für die Landwirte vor Ort, für regionale Wirtschaftskreisläufe – und für den Grundwasserschutz.

Weitere grundwasserverträgliche Feldfrüchte

Grafikvergleich Düngerabgaben von Brotweizen zu Dinkel, Roggen und Sonnenblumen

Brot und Brötchen zählen in Deutschland zu den wichtigsten Lebensmitteln. Doch das Bäckerhandwerk wird zusehends von der Lebensmittelindustrie verdrängt; Getreide für das Mehl liefert dort der Weltmarkt und nicht die Region. Brot und Gebäck aus regional und grundwasserverträglich angebauten Feldfrüchten bieten eine Alternative zu diesem Trend und für die unterfränkischen Bäcker eine Möglichkeit, sich am Markt zu profililieren. Die Landwirte können davon ebenfalls profitieren und dabei noch zum Grundwasserschutz beitragen: Dinkel, Roggen und Sonnenblumen etwa sind Feldfrüchte, die in Unterfranken gut gedeihen. Sie benötigen weniger Dünger als beispielsweise der Brotweizen, und der Eintrag von Nitrat ins Grundwasser ist damit geringer (siehe Abbildung). Wie Sie auch beim Anbau von Brotweizen einen Beitrag für das Grundwasser leisten können, erfahren Sie bei unserem Projekt „Wasser-Schutz-Weizen“.

Information und Kontakt

Weitere Auskünfte erteilt die Regierung von Unterfranken, Sachgebiet Wasserwirtschaft: wasser(at)reg-ufr.bayern.de

Weizenähren kurz vor der Ernte

Forschungsprojekte zur Nitratreduzierung

Demonstrationsversuche zum Zwischenfruchtanbau

In den Landkreisen Schweinfurt (Brünnstadt), Haßberge (Maroldsweisach) und Kissingen (Hammelburg) werden Demonstrationsversuche zum Zwischenfruchtanbau durchgeführt. Untersucht werden sechs Varianten mit verschiedenen Gründüngungsmischungen. Dabei wird der Nmin-Gehalt vor der Aussaat der Zwischenfrucht und im Spätherbst erfasst und die Ertragsleistung der Zwischenfrucht analysiert. Der Zwischenfruchtaufwuchs soll als Gärsubstrat für Biogasanlagen dienen. Auf Feldtagen sollen Ergebnisse aus den Demonstrationsversuchen vorgestellt werden.

Exaktversuche zur standortbezogenen Anpassung des N-Sensors

Der N-Sensor kann während der Ackerüberfahrt den Stickstoffbedarf des Pflanzenbestandes feststellen und übermittelt ihn direkt an ein angelenktes Düngerstreugerät: Auf dem Dach des Schleppers sitzt ein Gerät mit Sensor, der während der Überfahrt den Pflanzenbestand und den Ernährungszustand der Pflanzen erfasst und danach die Höhe der Düngergabe errechnet, die dann sofort ausgebracht wird. Mit der bedarfsgerechten Düngung werden Kosten eingespart und zugleich wird die Umwelt vor überschüssigem Stickstoff bewahrt. In Praxisversuchen wurden beim Einsatz des N-Sensors gleichmäßigere Qualitäten, eine leichte Erhöhung des Ertrages sowie ein um sechs Prozent verminderter Stickstoffeinsatz festgestellt. Der N-Sensor wird bereits seit einigen Jahren in der Praxis angewendet; insbesondere in Gegenden mit großen Schlaggrößen und vergleichsweise heterogenen Bodenverhältnissen kann er vorteilhaft eingesetzt werden. Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz ist eine möglichst optimale Abstimmung der Geräte auf die jeweiligen Standortbedingungen.

Das Forschungsprojekt soll untersuchen, ob der N-Sensor in der Landwirtschaft Unterfrankens vor allem im Winterweizen sinnvoll eingesetzt werden kann.

Dazu hat die Bayerische Landesanstalt für Landwirt (LfL) auf unterfränkischen Weizenstandorten Exaktversuche zur Feinjustierung und Überprüfung der Vorteilhaftigkeit des N-Sensor-Verfahren angelegt.

Stickstoffeinsparung durch Relativierung des Proteingehaltes als wesentlicher Parameter der Backqualität bei Weizen

Als Indikator für die Weizenqualität ist der Eiweißgehalt des Weizens bestimmend für den Auszahlungspreis an den Landwirt. So können wenige Zehntelprozentpunkte beim ermittelten Proteingehalt über die Einstufung als Qualitäts- oder als Futterweizen entscheiden, obwohl sie für die Backqualitätseigenschaften unter Umständen gar nicht von Bedeutung sind – denn viele moderne Weizensorten können auch mit vergleichsweise geringerem Proteingehalt eine optimale Backqualität erzielen.

Um sicherzustellen, dass der Weizen zur Ernte den ausreichenden Rohproteingehalt erreicht, setzen viele Landwirte die sogenannte Stickstoffspätdüngung („Qualitätsgabe“) ein. Diese wird aufgrund ihrer späten Terminierung und Höhe im Hinblick auf eine mögliche Gewässerbelastung kritisch gesehen. Aus ökonomischer wie ökologischer Sicht ist es deshalb wichtig, einen sortenabhängig optimalen Gehalt an Eiweiß im Korn zu erzielen und eine Spätdüngung entsprechend anzupassen bzw. ganz darauf zu verzichten.

Das Forschungsvorhaben besteht aus drei Elementen:

  • Umfrage in der Wertschöpfungskette Erzeugung, Erfassung, Mühlen, Bäckereibetriebe: Erhebung der Bedürfnisse der jeweiligen Akteure im Hinblick auf die Qualitätsanforderungen
  • Recherchen und Interviews zu Potenzialen für eine gewässerschonende Erzeugung von Qualitätsweizen: Literaturrecherche und Experteninterviews zur aktuellen Verfahrensweise bei der Erzeugung, Erfassung und Verarbeitung von Qualitätsweizen
  • Fachtagung „Gewässerschonende Erzeugung von Qualitätsweizen“:
    Diskussion von aktuellen Forschungsergebnissen und Erkennnissen aus Befragungen mit Akteuren und Experten
Grafik Gefahr von Nitratauswaschung