• Situation in Unterfranken

    Struktur und Zuständigkeiten

    Trinkwasser in Glas einfüllen

Die Trinkwasserversorgung in Unterfranken

So nah wie möglich – so weit wie nötig

Die öffentliche Trinkwasserversorgung in Unterfranken ist nach Artikel 83 der Verfassung des Freistaates Bayern eine kommunale Aufgabe. Das heißt, die Zuständigkeiten obliegen den Städten und Gemeinden selbst oder einem Zusammenschluss von verschiedenen Kommunen zu Zweckverbänden, um die Aufgaben effektiv und kostengünstig bewältigen zu können.

In Unterfranken gibt es 311 Wasserversorger, die selbst Wasser gewinnen oder von anderen Wasser beziehen und in ihrem Gebiet verteilen. Die hohe Anzahl an Versorgern spiegelt die Bemühungen wider, das Trinkwasser möglichst nahe am Verbraucher zu gewinnen. Neben den kurzen Transportwegen gibt es dabei noch einen weiteren Vorteil: die hohe Identifikation der Bürger mit „ihrem Wasser“.

Erfolgt die Trinkwasserversorgung aus kommunaler Hand, zahlt der Kunde nur den tatsächlichen Aufwand, die Versorger unterliegen keinem Preisdruck. Eine nachhaltige Bewirtschaftung unter Beachtung von Umwelt- und Versorgungsstandards tritt anstelle einer einseitigen Gewinnorientierung.

Mittels elektrisch betriebener Pumpen wird das Grundwasser in Brunnen für die Trinkwasserversorgung nach oben gepumpt.

Die Aufgaben eines Wasserversorgers

Neben der Hauptleistung, der Lieferung von einwandfreiem Trinkwasser, haben die Wasserversorgungsunternehmen noch viele weitere Aufgaben zu bewältigen. Nachfolgend werden die wichtigsten Aufgaben kurz beschrieben.

Wassererschließung

  • Probebohrungen zur Suche nach geeigneten Wasservorkommen
  • Festlegung eines geeigneten Erschließungsgebiets
  • Beantragung entsprechender Rechtsverfahren zur Genehmigung für eine Wasserentnahme

Ausweisung Wasserschutzgebiet (nach Erteilung der Genehmigung)

  • Ermittlung der Größe des Wasserschutzgebiets und des Verlaufs der einzelnen Schutzzonen anhand von geologischen Daten
  • (falls notwendig) Erarbeitung eines tragbaren Kompromisses für alle vom WSG betroffenen Nutzer

Errichtung Infrastruktur zur Wasserversorgung

  • Installation von Trinkwasserbrunnen oder Quellfassungen
  • Bau eines Wasserwerks
  • Behandlung des Grundwassers vor Abgabe als Trinkwasser (Mischen, Filtern, Belüften; falls notwendig)
  • Aufbau eines Veteilernetzes
  • Einspeisung des Trinkwassers in das Verteilernetz

Laufender Betrieb

  • Instandhaltungsmaßnahmen des Verteilernetzes
  • Herstellung des notwendigen Wasserdrucks durch Hochbehälter
  • Speicherung und Ausgleich der Tagesbedarfsschwankungen des Wassers durch Hochbehälter
  • Bereitstellung von ausreichenden Reserven an Löschwasser
  • Bereitstellung des Trinkwassers für jeden einzelnen Hausanschluss im Verteilungsgebiet
  • Laufende Überprüfung der bereitgestellten Wasserqualität
  • Meldung der Messwerte an die staatlichen Gesundheitsämter

Immer wichtiger: Wasserversorgung im Verbund

Wo die eigenen Quellen und Brunnen nicht genügend Wasser liefern, stehen die Gemeinden miteinander im Verbund. Über ein weit verzweigtes Verteilungsnetz gelangt Wasser auch in wasserarme Gebiete. 215 Wasserversorger gewinnen mit eigenen Anlagen – aus rund 580 Brunnen und 250 Quellen – jährlich etwa 84 Millionen Kubikmeter Wasser. Sie decken damit ihren eigenen Bedarf und liefern darüber hinaus an rund 100 andere Versorgungsunternehmen, die das Wasser dann im eigenen Gebiet verteilen.

Über die Fernwasserversorgung Franken werden jährlich rund vier Millionen Kubikmeter Wasser von Südbayern nach Nordbayern geleitet – bei mangelnder Eignung des lokalen Grundwassers, um mögliche Engpässe in der eigenen Region und bei hohem Spitzenbedarf abzufedern sowie als zweites Standbein, wenn einmal eine eigene Wassergewinnungsanlage ausfallen sollte.

Kostbares Gut – nicht nur in Unterfranken

Aus dem All betrachtet erscheinen die Wasservorräte unseres „Blauen Planeten“ unerschöpflich: Über 70 Prozent der Erdoberfläche sind von Wasser bedeckt. Das sind fast 1,4 Milliarden Kubikkilometer Wasser – eine unvorstellbare Menge. Doch wir können nur einen winzigen Bruchteil davon nutzen: Nur geschätzte 3 Prozent dieser gewaltigen Wassermassen sind Süßwasser. Der größte Teil davon wiederum ruht eingefroren in Gletschern und den Eispanzern der Pole. Gerade mal 0,3 Prozent allen Wassers sind als Trinkwasser nutzbar. Zwar liefert die Natur ständig sauberes Trinkwasser nach, aber eben nicht in unbegrenzter Menge.

Im weltumspannenden Wasserkreislauf geht das Wasser zwar nicht verloren, es wird aber durch verschiedene Nutzungsarten beeinflusst. Wir müssen sehr sorgsam mit unseren Wasservorräten umgehen, denn ohne Wasser gibt es keine Zukunft! Schon heute haben etwa eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Und täglich sterben Tausende, vor allem Kinder, weil sie verschmutztes Wasser trinken müssen.

Die wachsende Weltbevölkerung, die zunehmende Industrialisierung und der hohe Wasserbedarf in der Landwirtschaft erhöhen zunehmend den Wasserbedarf. Die Folge: die Wasserversorgung wird immer mehr zum Politikum bis hin zum Kampf um das „blaue Gold“.

Eine Wasserversorgung durch private, gewinnorientierte Unternehmen macht Probleme. Deshalb gilt bei uns in Unterfranken der „bayerische Weg“: die Trinkwasserversorgung in der öffentlichen Hand zu belassen. Auch Städte in anderen Ländern, die auf die Privatisierung gesetzt haben, streben eher wieder die Umstellung auf die öffentliche Hand an.

Verlegen einer Wasserleitung

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