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Pflanzenschutz im Klimawandel – Was ändert sich im (Öko)-Landbau?
Veranstaltungsort: Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten,
Von-Luxburg-Straße 4, 97074 Würzburg (Aula)
Am 21. November 2025 trafen sich Interessierte aus Wissenschaft, Beratung und Praxis im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Würzburg zur Herbsttagung der Aktion Grundwasserschutz. Das Thema der diesjährigen Tagung lautete: „Pflanzenschutz im Klimawandel – Was ändert sich im (Öko)-Landbau?“
„Pflanzenschutz im Ökolandbau bedeutet, vorbeugende Maßnahmen in der ganzen Breite zu nutzen und sich als Landwirt oder Landwirtin frühzeitig mit den klimatischen Rahmenbedingungen zu befassen“, betonte Bernhard Schwab vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Rahmen der Begrüßung. Dr. Jens Habenstein, Projektleiter der Aktion Grundwasserschutz, unterstrich in seiner Begrüßung den hohen Stellenwert der Initiative: „Der ökologische Landbau ist langfristig für eine nachhaltige Bewirtschaftung unerlässlich. Das heutige Thema ist sowohl für die Praxis als auch für die Wasserwirtschaft zentral – gerade mit Blick auf den Schutz unseres Grundwassers.“
Klimaveränderungen, zunehmende Wetterextreme und neue Schaderreger stellen den (Öko-) Landbau vor wachsende Herausforderungen. Sie erhöhen den Krankheits- und Schädlingsdruck und erfordern Anpassungen bei Anbau und Pflanzenschutz. Gleichzeitig eröffnen moderne Daten- und Modellierungsmethoden Chancen, Risiken frühzeitig zu erkennen und besser zu handeln. „Welche neuen Risiken erwarten uns – und welche Lösungen gibt es bereits?“, führte Kerstin Spory vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in die Tagung ein.
Im ersten Vortrag stellte Prof. Dr. Heiko Paeth von der Universität Würzburg dar, wie sich das Klima in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat: mehr Trockentage und Starkregenereignisse, deutlich mehr Hitzetage sowie häufiger auftretende Spätfröste bei verschobener Niederschlagsverteilung, bei der aktuell in Unterfranken noch Mai und Juni die höchsten Niederschlagsmengen verzeichnen. Vor diesem Hintergrund erläuterte er die möglichen Folgen für den Ackerbau im Maintal und zeigte, wie Big Data, der Klimaatlas und Prognosemodelle helfen, Risiken früh zu erkennen und Entscheidungen im Pflanzenschutz zu verbessern. Das interaktive Webportal „Klimaatlas“ bietet hierfür 35 agrarrelevante Klimaindikatoren (https://www.bigdata-at-geo.eu/klimaatlas).
Stephan Weigand von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gab anschließend einen Überblick über Krankheiten im Getreideanbau unter veränderten Klimabedingungen. Zwar können langfristige Trends das Artenspektrum der Erreger verschieben, doch prägt die saisonale Witterung das Befallsgeschehen weiterhin am stärksten. Mit bewährten Maßnahmen wie Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Strohmanagement, angepassten Saatterminen oder resistenten Sorten bleibt der Pflanzenschutz dennoch gut beherrschbar. Prognosemodelle, Monitoring und Versuchsergebnisse bieten dabei eine hilfreiche Orientierung.
Welche Risiken die Schilf-Glasflügelzikade für Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüse hat, erläuterte Dr. Jan Nechwatal von der LfL: „Die nicht invasive Art profitiert vom Klimawandel und überträgt verschiedene Krankheitserreger. Das SBR-Syndrom (Symptom der niedrigen Zuckergehalte) trat 2019 erstmals in Bayern auf. 2025 waren bundesweit bereits über 100.000 Hektar Zuckerrüben betroffen, viele davon in Bayern. Auch die Bakterielle Kartoffelknollenwelke (Stolbur) breitet sich aus und verursacht inzwischen auch Schäden im Gemüsebau. Bekämpfungsstrategien richten sich vor allem gegen den Vektor, des Weiteren sind angepasste Fruchtfolgen, Begrünungsstrategien, Schwarzbrache mit Mindestbodenabdeckung, Einnetzen der Felder, Reduktion von Ernteresten oder frühere Sorten mögliche Methoden, um den Befall zu verringern.
Simon Siegel von der Bioland-Beratung skizzierte die Folgen des Klimawandels für die Unkrautbekämpfung in Unterfranken: „längere Keimzeiten für Herbstunkräuter, geschwächte Kulturpflanzen, Bodenstrukturverlust, kurze Bearbeitungsfenster, Herausforderungen im Futterbau sowie das Auftreten neuer Arten“, so der Bioberater. Die daraus abgeleitete Strategie „Back to the roots“ setzt auf eine standortspezifische Stärkung der Bodenfruchtbarkeit, gezielte Fruchtfolgen, sorgfältige Bodenbearbeitung, angepasste Saatzeiten, den Einsatz von Untersaaten und Gemengen sowie die Auswahl unkrautunterdrückender Sorten – und bei Bedarf auf das konsequente Umbrechen misslungener Bestände.
Welche konkreten Anpassungen bei der mechanischen Unkrautregulierung nötig sind, erläuterte Stefan Veeh von der Naturland-Beratung. „Hohe Winterniederschläge führen im Frühjahr zunehmend zu verschlämmten, verkrusteten Böden und Starkregenereignisse in der Vegetation erfordern einen Balanceakt zwischen Unkrautregulierung und Erosionsschutz – bei insgesamt knappen Bearbeitungsfenstern. Die Rollhacke kann hier gezielt unterstützen: Sie bricht Krusten effizient auf, verbessert die Wasseraufnahme und Mineralisierung, bietet eine hohe Flächenleistung und ist weniger verstopfungsanfällig als der Striegel, was sie auch wirtschaftlich interessant machen kann“, betonte Veeh.
„Wir blicken auf eine sehr spannende Veranstaltung zurück, die von Klimawandel und vermehrten Spätfrösten über neue Krankheiten und erhöhten Pilzdruck bis hin zum Forschungsbedarf bei der Schilf-Glasflügelzikade reichte. Zum Abschluss haben uns zwei Berater zurück zum praktischen Ackerbau geholt: Das Fazit bleibt, dass die Bodenfruchtbarkeit – durch Fruchtfolge, Kalkung, Nährstoffmanagement und alles, was zu einem gesunden Boden gehört – entscheidend ist. Die Rollhacke hilft nur kurzfristig, die langfristige Basisarbeit liegt im Boden“, resümierte Dr. Nadine Jäger von der Regierung von Unterfranken.
Programm
| 13:30 Uhr | Begrüßung Bernhard Schwab, Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt, Dr. Jens Habenstein, Regierung von Unterfranken |
| 13:45 Uhr | Einführung, Moderation Kerstin Spory, Forschungsinstitut für biologischen Landbau e.V. |
| 14:00 Uhr | Pflanzenschutz im Klimawandel: Nutzung von Big Data & Klimaatlas und Prognosemodelle Prof. Dr. Heiko Paeth, Universität Würzburg |
| 14:30 Uhr | Krankheiten im (Öko)-Getreideanbau – Herausforderungen durch veränderte Klimabedingungen Stephan Weigand, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft |
| 15:00 Uhr | Pause/Imbiss |
| 15:30 Uhr | Schilf-Glasflügelzikade – Neue Risiken für den Anbau von Zucker- rüben, Kartoffeln, Gemüse – Entwicklung von Bekämpfungsverfahren Dr. Jan Nechwatal, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft |
| 16:00 Uhr | Unkrautmanagement – Herausforderungen durch den Klimawandel aus Sicht der Beratung Stefan Veeh, Naturland-Beratung |
| 16:30 Uhr | Zusammenfassung / Ausblick
Dr. Nadine Jäger, Regierung von Unterfranken |
| 17:00 Uhr | Abschluss |























