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    Fachveranstaltungen zur Schwammlandschaft

Fachveranstaltungen zur Schwammlandschaft

Im Rahmen des „Jahr des Wassers 2025 im Grabfeld“, organisiert durch die AKTION GRUNDWASSERSCHUTZ und die Initiative WasserLandschaft der Regierung von Unterfranken, fand eine Fachveranstaltungsreihe zum Thema Schwammlandschaften statt. Die Veranstaltungsreihe bestand aus vier Teilen, die jeweils andere Zielgruppen und damit auch Handlungsmöglichkeiten für den Wasserrückhalt adressierten. Die jeweiligen Präsentationen stehen für Sie zum Download zur Verfügung.

Wasser im Wandel: Klimawandel und Schwammlandschaft

Den Anfang machte eine kontextgebende Veranstaltung, auf der zahlreiche Vertreter*innen aus Kommunen, Verbänden und Behörden sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger aus dem Grabfeld anwesend waren. Hierbei wurden zunächst die Auswirkungen des Klimawandels in Unterfranken von Dr. Luzia Keupp (Universität Würzburg) erläutert. Der Fokus lag auf den Folgen für die Wasserverfügbarkeit in Unterfranken sowie die möglichen Konsequenzen für die Land- und Forstwirtschaft. Durch trockenere Sommer und feuchtere Winter, einen stärkeren Wechsel zwischen trockenen und feuchten Jahren sowie die Zunahme von Starkniederschlägen werden Planungen mit Blick auf die Verfügbarkeit von Wasser schwieriger je stärker der Klimawandel voranschreitet. Hinzu kommt eine Zunahme der Verdunstung durch erhöhte Temperaturen. Laut Dr. Keupp sollten sich Land- und Forstwirtschaft aufgrund der zunehmenden Unsicherheit möglichst breit aufstellen. Dies gelingt beispielsweise durch eine vielfältige Artenwahl. Gleichzeitig sollten auch Maßnahmen getroffen werden, die Wasser halten und Verdunstung reduzieren können, um die Folgen von Trockenheit zu mindern.

Damit war ein lückenloser Übergang zum Konzept der Schwammlandschaft geschaffen. Dieses umfasst den umfassenden und dezentralen Wasserrückhalt in der Landschaft anhand einer Vielzahl von Maßnahmen, vorgestellt von Prof. Günther Müller-Czygan (Hochschule Hof). Hierfür spielen lokale Aspekte wie die Landnutzung und konkrete Bewirtschaftung eine besondere Rolle. Die Schwammlandschaft verbindet dabei ein breites Spektrum an einzelnen Maßnahmen zu einem Gesamtkonzept. In diesem fungiert die Landschaft als Schwamm, der bei zu hohen Niederschlägen – auch bei Extremereignissen wie Starkniederschlag -, Wasser aufnehmen kann. Dies trägt dazu bei, den Oberflächenabfluss zu minimieren und die Grundwasserneubildung zu fördern. Damit werden einerseits Hochwasserspitzen reduziert, andererseits kann das Wasser über einen längeren Zeitraum versickern und damit gespeichert werden, anstatt oberflächlich abzufließen. Dieser Speicher kann in trockeneren Phasen helfen, die Auswirkungen von Trockenheit zu reduzieren und trägt dadurch zu einer erhöhten Grundwasserneubildung bei. Dank einer ausreichenden Wasserversorgung der Vegetation können zudem Temperaturspitzen von Hitzewellen abgemildert werden, da bei der Verdunstung die Umgebungsluft abgekühlt wird.

Wie Herr Prof. Müller-Czygan betont, ist die erfolgreiche Gestaltung einer Schwammlandschaft vergleichbar mit der Umsetzung eines Puzzles an Maßnahmen in der Fläche. Die drei nachfolgenden Fachveranstaltungen wendeten sich daher direkt die Flächenbesitzer aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Kommunen.

Wasser in der Landwirtschaft

Corinna Friedrich (Deutscher Verband für Landschaftspflege) stellte eine breite Palette an Maßnahmen sowie dazugehörigen Förderprogrammen dar, die Landwirte nutzen können, um den Wasserrückhalt auf ihren Flächen zu verbessern. Bei Ackerflächen trägt eine kontinuierliche Bodenbedeckung entscheidend dazu bei, Oberflächenabflüsse und Bodenerosion zu mindern. Auch Agroforstsysteme bieten großes Potential, da sie durch die Verringerung von Windgeschwindigkeiten neben den genannten Aspekten auch die Verdunstung auf den Ackerflächen reduzieren. Ein weiteres positives Beispiel waren Gewässerrenaturierungen. Hierdurch können Überschwemmungs- und Feuchtbereiche geschaffen und langfristig eine natürliche Gewässerentwicklung ermöglicht werden, was ebenfalls zur Minderung von Überschwemmungen und Dürren beiträgt. Frau Fiedrich gab darüber hinaus konkrete Umsetzungsmöglichkeiten für die genannten Maßnahmen und betonte die Synergieeffekte – vor allem auf der überbetrieblichen Ebene. Sie stellte eine Vielzahl bestehender Fördermöglichkeiten vor und nannte die örtlichen Ämter und Landschaftspflegeverbände als kompetente Ansprechpartner für die Beratung im Rahmen von Finanzierung und Umsetzung konkreter Maßnahmen.

Anschließend stellte Anton Fuchs, Betriebsleiter beim landwirtschaftlichen Betrieb Dörr-Agrar, die Umstellung des Betriebs auf Direktsaat als eine bodenschonende und dauerhaft bodenbedeckende Maßnahme vor. Ein Grund für die Umstellung des Betriebs waren hohe Erosionsschäden als Folge von Starkniederschlägen. Damit einher ging ein Verlust von Nährstoffen, der sich durch das notwendig gewordene Zukaufen von Dünger auch finanziell negativ für den Betrieb ausgewirkt hat. Das oberflächlich abgeflossene Wasser ging zudem für die Nutzung verloren, was den Ertrag des Betriebs reduzierte. Durch die Etablierung von Direktsaat konnten Wasser- und Erosionsproblematik auf den Flächen des Betriebs deutlich verringert werden. Gleichzeitig stiegen der Humusanteil sowie die Anzahl an Regenwürmern an. Beides begünstigt das Versickern von Niederschlagswasser. Herr Fuchs erläuterte auch eine beispielhafte Fruchtfolge und ging darüber hinaus auf die Anwendung von Drohnensaaten im Zuge der Digitalisierung ein. Probleme wie Schnecken und Mäuse bestehen zwar, die Anpassung der Fruchtfolge kann diese jedoch reduzieren.

Wasser im Wald

Florian Höhn, Revierleiter des Forstreviers Bad Königshofen I, gab einen Einblick in die historische Forstbewirtschaftung, gegenwärtige Problematiken durch den Klimawandel sowie derzeitige Bewirtschaftungsstrategien. In der Vergangenheit war die Forstwirtschaft geprägt von großflächigen Hieben aufgrund von zu leistenden Reparationszahlungen sowie der anschließenden Wiederbewaldung, die häufig in Form einer Fichtenmonokultur stattfand. Darüber hinaus waren die klimatischen Bedingungen mit Blick auf (Extrem-)Temperatur und Wasserverfügbarkeit günstig, so dass auch keine Notwendigkeit für gesonderte Wasserrückhaltemaßnahmen bestand. Besonders die heißen und trockenen Sommer des letzten Jahrzehnts machen dem Wald jedoch zu schaffen und sorgen für geringere Vitalitätsraten sowie größeren Schädlingsbefall – besonders in Monokulturen.
Für die zukünftige Waldbewirtschaftung stellte Herr Höhn eine gesamtheitliche Betrachtung von verschiedenen Aspekten wie Wasserrückhalt, Versickerungsmöglichkeiten, Bestandsstabilität und -vielfalt sowie Wirtschaftlichkeit heraus, um den Konsequenzen des Klimawandels zu begegnen. Eine wichtige Komponente hierbei ist die Erhöhung des Laubholzanteils sowie der Artenvielfalt im Bestand. Letztendlich sollen aber nicht nur Arten vielfältig sein, sondern auch die Altersstruktur, Wuchshöhen und Dimensionen. Diese Vielfalt fördert die Widerstandsfähigkeit eines (Wald-)Ökosystems. Durch die gezielte Wasserlenkung in natürliche oder menschlich geschaffene Mulden innerhalb des Waldes kann ergänzend zum Wasserrückhalt ein zusätzliches Biotopnetz geschaffen werden. Besonders interessant sei hierbei die Rückführung von Wasser aus den Wegseitengräben in den Wald. Der verstärkte Wasserrückhalt und die Diversifizierung des Waldes sind dabei Schlüsselsteine, um Extremereignisse abzumildern, die Grundwasserneubildung zu erhöhen und das Ökosystem als Ganzes zu stärken.

Wasser in der Kommune

Andreas Aicher (Hochschule Hof) eröffnete die Abendveranstaltung mit dem Schwerpunkt „Wasser in der Kommune“ und widmete sich den innerörtlichen Maßnahmen.  Vegetation, Überschwemmungs- und Versickerungsflächen, sowie die Entsiegelung von Flächen tragen dazu bei, Wasser zu speichern und das innerörtliche Klima zu verbessern. Dies gilt in der „Schwammstadt“ gleichermaßen wie in „Schwammdörfer“. Je kleiner eine Siedlungsfläche ist, desto stärker hängt sie auch von der sie umgebenden Landschaft ab. Herr Aicher betonte daher, dass es wichtig ist, eine Siedlung nicht isoliert zu betrachten. Stattdessen sollen auch in der Umgebung entsprechende Maßnahmen zum Wasserrückhalt eingeplant werden. Dies können Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern, bereits angesprochene Maßnahmen in Forst- und Landwirtschaft sowie Wasserrückhalte in Form von Mulden oder ähnlichem sein. Besonders das Zusammenspiel einer Vielzahl an Maßnahmen bringt dabei den größten Nutzen. Kleinere Kommunen, denen vor allem personelle Ressourcen oder das Know-How fehlen, können sich kostenlos für eine Erstberatung an das Kompetenz- und Transferzentrum nachhaltige Schwammstadt/-region der Hochschule Hof, an dem Herr Aicher arbeitet, wenden.

Jonas Treml (Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken (ALE)) setzte bei den außerörtlichen Maßnahmen von Kommunen an, um in abflussstarken Bereichen den Wasserrückhalt zu erhöhen und die Grundwasserneubildung zu stärken. Über das Projekt boden:ständig können Kommunen finanzielle und planerische Unterstützung bei der Identifikation geeigneter Flächen und Maßnahmen bekommen. Auch die Umsetzung der Maßnahmen wird hierbei durch das ALE begleitet. Über die Fördermöglichkeit „FlurNatur“ kann die Integration von Struktur- und Landschaftselementen gefördert werden. Außerdem verwies Herr Treml auf die zwei unterfränkischen Schwammregionen MainWerntal und Streu-Saale, in denen ein besonderer Fokus auf den flächigen Rückhalt durch die Vielzahl von Maßnahmen und eine breite und interaktive Bürgerbeteiligung gelegt werden soll.

Zu guter Letzt berichtete Ulrich Meßlinger (Biologe, Geimeinderat Flachslanden) von der niedrigschwelligen und kleinräumigen Umsetzung von Maßnahmen des Wasserrückhalts und der Wiedervernässung auf kommunalen Flächen. Über die Anlage mehrerer Tausend Kleinstrückhalte konnte in der Gemeinde Flachslanden nicht nur viel Raum für Wasser und dessen Versickerung geschaffen werden. Gleichzeitig entstanden dabei Biotope, die die Artenvielfalt in der Region deutlich erhöhten. Die vergleichsweise geringen finanziellen Mittel konnten größtenteils aus Förderprojekten zum Erhalt der Artenvielfalt bereitgestellt werden. Darüber hinaus stellte Herr Meßlinger die breite Akzeptanz in der Gemeinde heraus. Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Vereinen, Flächenbesitzern und anderen Personengruppen hat maßgeblich zur erfolgreichen Umsetzung der Maßnahmen beigetragen. Einzig der Auslöser dieses gesamtgesellschaftlichen Engagements und Handels ist ein Wehrmutstropfen: Im Jahr 2018 war die Gemeinde von einem Starkniederschlagsereignis und der nachfolgenden Sturzflut betroffen, die Schäden in Millionenhöhe verursachte. Vielleicht kann man andernorts von Flachslanden lernen, frühzeitig ins Handeln zu kommen und die Bevölkerung rechtzeitig vor dem nächsten Extremereignis zu schützen.