Aktion Grundwasserschutz - Trinkwasser für Unterfranken
Regierung von Unterfranken

Veranstaltungen 2018

Das Trockenjahr 2015 – Herausforderungen und Perspektiven für Wasserversorgung und Landwirtschaft

„Klimawandel, Klimaschwankung, globale Erwärmung – egal wie man es nennen mag, an der Realität des Phänomens kann es keinen Zweifel mehr geben.“ Mit dieser Aussage eröffnete Regierungspräsident Dr. Beinhofer das 11. Wasserforum Unterfranken am 17. März in Würzburg. Auch in diesem Jahr war die Zehntscheune des Juliusspitals mit ca. 170 interessierten Teilnehmern – darunter viele Vertreter von Kommunen und Wasserversorgern – sehr gut besucht.

Das Trockenjahr 2015 und der neue deutsche Hitzerekordwert von 40,3 Grad Celsius, der im August 2015 in Kitzingen gemessen wurden, sind uns allen sicherlich noch gut in Erinnerung. Nicht nur im Durchschnitt zu warm, sondern auch erheblich zu trocken war es 2015, dem zweitwärmsten Jahr seit Beginn der flächendeckenden Messungen, deutschlandweit und vor allem auch in Unterfranken. Wie sich Wasserwirtschaft und Landwirtschaft angesichts zunehmender Starkregen- und Hochwasserereignisse, aber gerade auch bei Niedrigwasser und Dürren den Folgen des Klimawandels dem Thema annehmen, welche Schlüsse daraus zu ziehen sind und welche Anpassungsstrategien möglichst frühzeitig zu entwickeln sind, war Gegenstand des diesjährigen Wasserforums.

 

In seiner Rede stellte Dr. Beinhofer mit der „Wasserversorgungsbilanz 2015“, dem Projekt „Niedrigwassermanagement“ und dem „Alarmplan Main“ konkrete Beispiele vor, mit denen die Wasserwirtschaft Lösungsansätze für die komplexen Herausforderungen anbietet oder entwickelt. trotz erschwerter Bedingungen. Gerade die Kommunen und Wasserversorger müssen in schwierigen Situationen tragfähige Lösungen für die Sicherung der öffentlichen Trinkwasserversorgung finden und umsetzen, so der Regierungspräsident.

 

In einem sehr interessanten Vortrag zeigte Professor Heiko Paeth vom Institut für Geographie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg die Folgen des anthropogenen Klimawandels und seine Auswirkungen auf die Wasserressourcen auf. Das Jahresmittel der Temperaturen in Deutschland liegt bei 7 Grad Celsius. Inzwischen wurden jedoch vielfach Werte in Unterfranken erreicht, die bis zu vier Grad darüber lagen – mit entsprechenden Folgen für die Natur, die Wasserressourcen und die Landwirtschaft. Der Klimawandel zeigt sich weniger in konkreten kritischen Wetterlagen, sondern in deren Häufigkeit. Besonders bei den Niederschlägen, wo in den letzten Jahren um 30% geringere Mengen gemessen wurden. Künftig wird sich der „Wasserstress“ in Deutschland noch deutlich verstärken, so Prof. Paeth.

 

Welche Auswirkungen das Trockenjahr 2015 auf das Grundwasser in Unterfranken hat, verdeutlichte Dr. Jörg Neumann vom Landesamt für Umwelt in Hof. In den letzten Jahren hatte Unterfranken im Winterhalbjahr ein Niederschlagsdefizit von bis zu 35%. Diese „enge“ Wasserbilanz führt zu einer reduzierten Grundwasserneubildung, denn diese findet primär in den Wintermonaten statt. Seit 2002/2003 hat es keine überdurchschnittliche Neubildung an Grundwasser gegeben – ganz im Gegenteil: Im Jahr 2015 wurden deutlich mehr Niedrigstwerte an den Grundwasser-Messstellen erreicht als im Vergleich zu den zurückliegenden 15 Jahren. Modellierungsergebnisse zeigen, dass Trockenjahre nicht durch normale Verhältnisse kompensiert werden können, so Dr. Neumann in seinem Ausblick.

 

Wie ein kleiner kommunaler Wasserversorger in der Praxis auf diese verschärften Bedingungen reagieren kann, zeigte Peter Franz in seiner Funktion als Erster Bürgermeister des Markts Frammersbach im Spessart exemplarisch an seiner Gemeinde auf. Ausgangssituation war eine Analyse, die ergab, dass unter ungünstigen Umständen eine künftige einwandfreie Trinkwasserversorgung nicht mehr gewährleistet sei. Eine aufwendige Sanierung der bestehenden Gewinnungsanlage wurde als nicht ausreichend eingestuft, so dass an anderen Standorten neue Brunnen erschlossen werden mussten. Trotz voraussichtlicher Kosten in Höhe von 7 Mio. Euro wurden die Arbeiten begonnen. Iin 2017 werde die neue Wasserversorgung als weiteres „Standbein“ fertig gestellt sein, so Bürgermeister Peter Franz.

 

Am Beispiel der Veitensteingruppe stellte Geschäftsführer Rupert Gölle einen weiteren Weg für eine zukunftsfähige und sichere Wasserversorgung vor. Hier ging es weniger um die Quantität, sondern um die Qualität des gewonnenen Trinkwassers – primär durch eine Senkung des Nitratgehalts im Grundwasser. Anhand eines Bodenprobenplans wurden die Flächen mit den höchsten Nmin-Werten bestimmt und Kooperationen zur grundwasserschonenden Landbewirtschaftung mit den regionalen Landwirten vereinbart. Tatsächlich zeigten die Maßnahmen Erfolg – in den folgenden Jahren fielen die Nitratwerte in den Trinkwasserbrunnen deutlich ab. Zusätzlich wurde an einem freiwilligen Leistungsvergleich von Wasserversorgungsunternehmen (Benchmarking) teilgenommen – ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der eigenen Wasserversorgung und zum Erhalt der kommunalen Versorgungsstruktur, berichtete Rupert Göller.

 

Abgerundet wurde die Veranstaltung durch die Ausführungen von Peter Schwappach. In seiner Funktion als Leiter der Gruppe Landwirtschaft und Forsten an der Regierung von Unterfranken zeigte er die Herausforderungen auf, vor denen die Landwirtschaft in Zeiten zunehmender Trockenheit in Unterfranken steht. Als Folgen des Klimawandels ergeben sich vielfältige Konsequenzen für die Landwirtschaft, die jedoch durch verschiedene Maßnahmen auch positiv beeinflusst werden können. Peter Schwappach führte hierfür diverse Beispiele aus den Bereichen Bodenkultur, Pflanzenbau, Pflanzenernährung, Pflanzenzüchtung und der Wasserwirtschaft auf, die künftig möglichst viele Nachahmer finden werden.

Vorträge

Begrüßung und Eröffnung
Dr. Paul Beinhofer, Regierungspräsident von Unterfranken

Auswirkungen des Trockenjahres 2015 auf das Grundwasser in Unterfranken – Charakterisierung und Bewertung
Dr. Jörg Neumann, Landesamt für Umwelt, Hof

Wasserknappheit: Probleme und Lösungen eines „kleinen“ kommunalen Wasserversorgers
Peter Franz, Erster Bürgermeister, Markt Frammersbach

Die Veitensteingruppe: Beispiele für eine zukunftsfähige und sichere Wasserversorgung
Rupert Göller, Geschäftsführer Veitensteingruppe, Breitbrunn

Ohne Wasser keine Landwirtschaft: Herausforderungen in Zeiten zunehmender Trockenheit

Peter Schwappach, Leiter der Gruppe Landwirtschaft und Forsten, Regierung von Unterfranken

 
Weitere Informationen zum Programm erhalten Sie durch Anklicken des Einladungsflyers.


13. Wasserforum Unterfranken
Wasserversorgungsbilanz 2.0 – unser Trinkwasser heute und in Zukunft

Dr. Paul Beinhofer, Regierungspräsident„Wir müssen davon ausgehen, dass die weltweiten Auswirkungen des Klimawandels weiter zunehmen – und auch die Wasserversorgungsunternehmen in Unterfranken vor wachsende Herausforderungen stellen.“ Dies war die zentrale Aussage der Begrüßungsrede von Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer vor über 150 interessierten Teilnehmern zur Eröffnung des 13. Wasserforums Unterfranken am 22. März in Würzburg.

Dr. Beinhofer legte dar, dass laut einer Umfrage der Regierung knapp zwei Drittel der Wasserversorgungsunternehmen im Hinblick auf den Klimawandel Anpassungen ihrer Wasserversorgung für dringend notwendig erachten. Zur Unterstützung ihrer Arbeit sei die Wasserversorgungsbilanz Unterfranken aus unserem Haus ein zentrales Hilfsmittel. Diese wurde 2010 erstmals veröffentlicht und seitdem kontinuierlich fortgeschrieben. Das Wasserforum 2018 stellt die Ergebnisse und die sich daraus ergebenden Konsequenzen bis 2035 vor. Für die 309 Wasserversorger hat sich die Wasserversorgungsbilanz als eine wertvolle Entscheidungshilfe zur Steigerung der Versorgungssicherheit etabliert, für die Wasserwirtschaftsämter als gutes Beratungsinstrument. Dr. Beinhofer wies zudem auch auf den aktuell erschienenen Leitfaden „Reduzierung von Nitratbelastungen in Trinkwassereinzugsgebieten“ hin, der in Kürze an alle Wasserversorger in Unterfranken versandt wird.

Manfred Forst, BGS UmweltManfred Forst vom beauftragten Büro BGS Umwelt stellte den aktuellen Stand und die zukünftigen Herausforderungen der öffentlichen Trinkwasserversorgung in Unterfranken dar: „Der konsequente Grundwasserschutz in Unterfranken zeigt Erfolge, bleibt jedoch eine Daueraufgabe“. Seit der Erstellung der ersten Wasserversorgungsbilanz hat sich die Versorgungssicherheit in Unterfranken deutlich verbessert. Allerdings ist klimabedingt bis 2035 – früher und stärker als erwartet – mit einem Rückgang von Quellschüttungen im Zeitraum Juni bis September um 20%, aber auch mit einem Rückgang der Ergiebigkeit von Brunnen um 5% zu rechnen. Dadurch sind verstärkte Versorgungsengpässe vor allem beim Tagesspitzenbedarf zu erwarten Dies macht zwingend weitere Anpassungen zur Sicherung der öffentlichen Trinkwasserversorgung notwendig. Beispielhaft können dies sein: neue Brunnenerschließungen, neue Verbundleitungen, interkommunale Kooperationen, Anschluss an die Fernwasserversorgung oder die Reduzierung von Wasserverlusten. 

Carolin Schmidt, WWA Bad KissingenReinhard Klumpp, WWA AschaffenburgReinhard Klumpp vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg und Carolin Schmidt vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen bestätigten den positiven Trend in den letzten zehn Jahren. In den Regionen Bayerischer Untermain und Würzburg verringerten sich die Bilanzgebiete mit stark eingeschränkter Versorgungssicherheit von 42 auf 35%, in der Region Main-Rhön von 30 auf 23%. Die ergriffenen Maßnahmen waren unterschiedlich und an die jeweiligen örtlichen Verhältnisse angepasst, meist aber für die Kommunen mit hohen Investitionskosten verbunden. Wenn Versorgungsengpässe auftreten, dann vor allem bei Wasserversorgungsunternehmen, die (ausschließlich) von flachgründigen Quellen gespeist sind. Daher mussten auch 2017 in mehreren Landkreisen Wassersparanordnungen erlassen werden. Die zukünftigen Handlungsschwerpunkte werden in den Bereichen Ressourcensicherung, Verbesserung und Erhalt der technischen Struktur und bei der Betriebsorganisation gesehen. Die Wasserwirtschaftsämter unterstützen und beraten die Wasserversorger auf der Suche nach effizienten und finanzierbaren Lösungen.

 

 

 

 

Hermann Löhner, Fernwasserversorgung FrankenDamoklesschwert Liberalisierung der öffentlichen Trinkwasserversorgung – das war das Thema von Hermann Löhner, Werkleiter der Fernwasserversorgung Franken. In seinem Vortrag motivierte er die kollegialen Wasserversorger, auf die immer wiederkehrenden Forderungen nach mehr Wettbewerb mit einer höheren Transparenz der Wasserpreise und einer Modernisierung „Ihrer“ Wasserversorgung zu reagieren. Dabei sei beispielsweise das Benchmarking – der anonymisierte Vergleich von Wasserversorgungsunternehmen untereinander zur Aufdeckung von Schwächen im Unternehmen – ein wichtiger Teil der Modernisierungsstrategie einer nachhaltigen kommunalen Wasserversorgung. Dort, wo Benchmarking „gelebt“ werde, erfolgen nachweislich kontinuierliche Verbesserungen, wie Hermann Löhner an Praxisbeispielen verdeutlichte.

Alexander Faulhaber, Rödl & PartnerAlexander Faulhaber vom Büro Rödl & Partner griff das Thema Benchmarking auf und stellte seinem Vortrag unter das Motto „Miteinander reden, voneinander lernen“. Er bemängelte, dass das Instrument nicht ausreichend genutzt werde, obwohl es sowohl Behörden als auch Verbänden für die Stärkung einer leistungsfähigen kommunalen Wasserversorgung deutlich befürworten. Er widerlegte oft genannte Bedenken, erläuterte die Vorteile und stellte dem hohen Nutzen einem überschaubaren Aufwand gegenüber. Benchmarking sei mehr als ein Kennzahlenvergleich, so Faulhaber, und er zitiert Philip Rosenthal: „Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein“. 

 

Axel Bauer, Regierung von UnterfrankenAxel Bauer, Sachgebietsleiter Wasserwirtschaft an der Regierung von Unterfranken, rundete die Themen des Wasserforums ab und stellte in seinem Vortrag die Frage: „Erholung in Sicht? Die aktuelle Grundwassersituation und was wir künftig erwarten“. Er stellte fest, dass der Klimawandel auch in Unterfranken angekommen ist und messbar sei. Die Monatstemperaturen in den letzten Jahren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, lagen deutlich höher als im langjährigen Mittel 1981-2010. Zugleich sanken die Höhe der Winterniederschläge und die Grundwasserneubildungsraten in ganz Bayern. Niederschläge gehen häufiger in Form von lokal begrenzten extremen Starkregenereignissen nieder. In Unterfranken führte dies in etlichen Regionen zu einem deutlichen Rückgang der Grundwasserstände. Die Fallstudie Rhön des Bayerischen Landesamts für Umwelt prognostiziert bis 2035 ebenfalls eine weitere Verschärfung der Grundwassersituation. Bauer appelliert an die unterfränkischen Wasserversorger, die Wasserversorgungsbilanz 2035 als Grundlage zu nutzen, um ihre Anlagen zu überprüfen, rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen und auf die Beratungsangebote der Wasserwirtschaftsämter zurückgreifen.

 

Vorträge

Begrüßung und Eröffnung
Dr. Paul Beinhofer, Regierungspräsident

Wasserversorgungsbilanz 2.0: Aktueller Stand und zukünftige Herausforderungen der öffentlichen Trinkwasserversorgung in Unterfranken
Manfred Forst, BGS Umwelt, Darmstadt
fileadmin/user_upload/Bilder_2018/Vortrag_Klumpp.pdf

Versorgungssicherheit und zukünftige Handlungsschwerpunkte – Regionen Bayerischer Untermain und Würzburg
Reinhard Klumpp, Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg


Versorgungssicherheit und zukünftige Handlungsschwerpunkte  – Region Main-Rhön
Carolin Schmidt, Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen

Damoklesschwert Liberalisierung – Benchmarking zur Effizienz- und Qualitätssteigerung öffentlicher Wasserversorger
Hermann Löhner, Werkleiter Fernwasserversorgung Franken, Uffenheim

Miteinander reden, voneinander lernen: Benchmarking in der Praxis
Alexander Faulhaber, Rödl & Partner, Nürnberg

Erholung in Sicht? Die aktuelle Grundwassersituation und was wir künftig erwarten
Axel Bauer, Sachgebiet Wasserwirtschaft, Regierung von Unterfranken

 

 

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