Veranstaltungen 2011

07.12.2011: Neue Qualitätskriterien als Chance für die regionale Vermarktung von Speisegetreide in Unterfranken

Rohproteingehalt alleine für Beurteilung der Backqualität von Weizen nicht mehr zeitgemäß

Blick in die VeranstaltungModerne Sorten können heutzutage aufgrund ihrer verbesserten Kleberqualität auch hohe Backqualitäten mit vergleichsweise niedrigeren Rohproteingehalten erreichen. Dies eröffnet Möglichkeiten, die Stickstoffspätdüngung im konventionellen Landbau und somit den Eintrag von überschüssigem Stickstoff in das Grundwasser zu reduzieren. Bei der Veranstaltung der Aktion Grundwasserschutz zum Thema Getreidequalität am 7. Dezember 2011 erörterten Referenten und Teilnehmer gemeinsam Möglichkeiten einer grundwasserverträglichen Qualitätsweizenproduktion: Mehr als 130 Landwirte, Müller, Bäcker, Landhandel, Verbände und Wissenschaftler kamen im historischen Gasthaus „Weiße Mühle“ in Würzburg-Estenfeld zusammen.

Erstmalig haben Vertreter entlang der Wertschöpfungskette sowohl aus dem biologischen wie dem konventionellen Bereich zusammen an einem Tisch über dieses Thema diskutiert: „Wir sind sehr interessiert an nachhaltiger Produktion und gespannt auf die Ergebnisse des heutigen Tages“, merkte Elmar Konrad, Vertreter des bayerischen Bauernverbandes, in seinem Grußwort an.

Bislang ist der Rohproteingehalt häufig das allein entscheidende Maß, an dem die Backqualität einer Weizenpartie gemessen wird. Darüber sollen schon bei der Anlieferung Rückschlüsse auf die Backfähigkeit einer Charge gezogen werden. Allerdings gibt es inzwischen neue Sorten, die aufgrund ihrer besonderen Klebereigenschaften auch bei geringerem Rohproteingehalt hervorragende Backergebnisse liefern.

Wie kann jedoch die besondere Qualität neuer Sorten bei der Erfassung von der abnehmenden Seite berücksichtigt werden? Eine sortenreine Annahme ist aus logistischen Gründen beim Landhandel kaum möglich: Hierzu schlug Dr. Klaus-Peter Wilbois vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Deutschland e.V.) vor, Sorten mit bestimmten Kleberqualitäten in Qualitätsclustern zu gruppieren und diese mit clusterspezifischen Untergrenzen für den Rohproteingehalt zu versehen. Damit wäre es möglich, unnötig hohe Rohproteingehalte in der Erzeugung zu vermeiden, ohne Einbußen in der Backqualität zu riskieren. So könnten Spätdüngungsgaben und damit potenzielle Grundwasserbelastungen mit Nitrat erheblich reduziert und darüber hinaus die Wirtschaftlichkeit des Qualitätsweizenanbaus verbessert werden.

Der Weizenzüchter Dr. Reiner Bothe von KWS Lochow forderte: „Der Rohproteingehalt einer Weizensorte sollte bei der Sortenzulassung lediglich beschreibenden Charakter haben, nicht jedoch klassifizierenden.“ Züchter, Handel, Landwirte, Müller und Bäcker müssten gemeinsam daran arbeiten, das Potenzial moderner Weizensorten für eine umweltgerechte Produktion zu nutzen. Für die gesamte Wertschöpfungskette und den Grundwasserschutz wäre ein Umdenken sehr sinnvoll. Beispielgebend könne hier die Vorgehensweise in Skandinavien sein, bei der das Backvolumen je Prozent Rohprotein als Qualitätsparameter herangezogen wird. Dies erlaube, den Rohproteingehalt in Relation zur sortenspezifischen Proteinqualität zu bewerten.

Dr. Ludger Linnemann vom Forschungsring für Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise wies mit dem von ihm entwickelten optimierten Backtest nach, dass die Qualität von ökologisch erzeugtem Weizen hoch genug ist, um alle gewünschten Backwaren herzustellen. Mit dem herkömmlichen Rapid Mix Test hingegen würde die Backqualität von Ökoweizen tendenziell unterschätzt.

„Gute Backqualitäten sind bei Weizen auch mit geringem Stickstoffeinsatz möglich, wenn neben dem Rohproteingehalt auch dessen sortenbedingte Qualität berücksichtigt wird“, darüber waren sich die Anwesenden in der Diskussion einig. Neben dieser Erkenntnis sei es jedoch wichtig, auch Taten folgen zu lassen. Diese seien allerdings nur umsetzbar, wenn sie als Herausforderung für die gesamte Wertschöpfungskette und in gemeinsamer Verantwortung für den Grundwasserschutz gesehen werden. In diesem Prozess kann die Regierung Unterfranken mit ihrer Aktion Grundwasserschutz einen wichtigen Beitrag leisten.

Die Vortragspräsentationen können Sie jeweils unter dem betreffenden Punkt in der nachfolgenden Übersicht herunterladen.

Veranstalter

  • Initiative Grundwasserschutz durch Ökolandbau der Regierung von Unterfranken
  • Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt/Saale, Bamberg, Karlstadt und Würzburg
  • FiBL Deutschland e.V.
  • Pro Natur GmbH

21.06. und 08.07.2011: Praxistage Öko-Landbau 2011

Die beiden Veranstaltungen mit den Schwerpunktthemen „Direktvermarktung“ sowie „Schweinehaltung“ und „Biogas“ fanden auf zwei erfolgreichen Öko-Betrieben in Unterfranken statt. Sie boten interessante Einblicke in innovative Betriebszweige und Vermarktungskonzepte.

21.06.2011: Schwerpunktthema „Schweinehaltung“ und „Biogas“ (Naturlandbetrieb Räder, Bastheim)

Gut 50 Landwirte folgten der Einladung auf den Betrieb Räder, der mit ökologischer Schweinemast und einer Biogasanlage gleich zwei neue Wege in der Produktion eingeschlagen hat. Bernhard Schwab, Berater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg/Bamberg, leitete die Veranstaltung mit der seinen Worten nach inzwischen unumstrittenen Erkenntnis ein: „Öko-Landbau ist Gewässerschutz“. Beim ökologischen Anbau werde vollkommen auf den Einsatz von mineralischem Dünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln verzichtet.Teilnehmer am Schweineauslauf

Betriebsleiter Eberhard Räder berichtete, der Einstieg in die ökologische Schweinemast habe sich zunächst als riskantes Unternehmen erwiesen. Er habe einen Abnehmer gehabt, dann sei der Markt plötzlich wegen eines Fleischskandals zusammengebrochen. Inzwischen habe sich allerdings der Markt für Bio-Schweine gefestigt. Neben normalgewichtigen Schweinen mästet Räder auch so genannte XXL-Schweine, die mindestens ein Jahr alt werden und dann ein Schlachtgewicht von 200 kg und mehr erreichen. Das Fleisch dient vor allem der Rohwurstherstellung.

Seit 2008 rundet eine Biogasanlage mit einer Leistung von 190 Kilowatt den Betrieb ab. Mit der Biogasanlage konnte Räder eine Kreislaufwirtschaft aufbauen; was er auf den Feldern anbaut und den Dung der rund 800 Schweine kann er zum Betrieb der Biogasanlage verwerten. Das Substrat, das nach der Vergärung in der Biogasanlage anfällt, kann er auf die Felder ausbringen. Der Betrieb bewirtschaftet rund 160 Hektar Ackerland und kann damit zusätzlich zwei Fremd-Arbeitskräfte beschäftigen.

08.07.2011: Schwerpunktthema „Direktvermarktung“ (Bioland-Betrieb Bieber, Kürnach)

Der zweite Praxistag 2011, der in Kürnach stattfand, war ebenfalls gut besucht. Familie Bieber bewirtschaftet ihren Betrieb seit 1985 nach Biolandrichtlinien. Friedbert Bieber berichtete, dass er seinen Betrieb unmittelbar nach der Hofübernahme umgestellt hat. Mittlerweile bewirtschaftet er 38 ha. Auf den Ackerflächen baut er Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben, Luzernegras sowie Gemüse für den Hofladen an. 15 Milchkühe und Nachzucht liefern Milch und Fleisch sowie Mist für die Äcker. Der Betrieb beeindruckt durch seine Vielfalt, angesihcts der begrenzten Flächenausstattung gibt sie dem Betrieb Stabilität und der Familie ein Auskommen.

Teilnehmer auf dem KartoffelfeldAuf dem Betrieb Bieber wird seit neun Jahren der Landessortenversuch „Kartoffeln im Ökolandbau“ vom AELF Würzburg durchgeführt. Die Vorstellung des Versuches durch Bernhard Schwab bildete den ersten Schwerpunkt der Veranstaltung. 21 Sorten der Reifegruppen „sehr früh“ bis „mittel“ wurden in dreifacher Wiederholung auf Parzellen von jeweils 12 m² angebaut. Dabei werden bewährte und eingeführte Sorten neben neuen Sorten bezüglich Anbaueignung, Ertrag, Krankheitsresistenzen und Geschmack geprüft. Bernhard Schwab betonte die Bedeutung der Kartoffel für viele Öko-Betriebe vor allem bei vorhandener Direktvermarktung, aber auch bei Belieferung des Lebensmittelhandels. Von den knapp 900 ha Kartoffeln in Unterfranken liegen mittlerweile rund 200 ha in Öko-Betrieben. Die Ergebnisse des Sortenversuches sind sowohl für konventionelle als auch für ökologisch wirtschaftende Kartoffelanbauer interessant, weil es der einzige Kartoffelversuch in den Regierungsbezirken Unterfranken und Oberfranken ist.

Der Berater des Bioland Erzeugerrings, Manfred Weller, gab anschließend Informationen zur Fruchtfolge des Betriebes und beantwortete Fragen der Praktiker zu Themen wie Beikrautregulierung und Nährstoffversorgung. Die Besucher der Felderbegehung waren sich einig, dass sich die gezeigten Ackerflächen des Betriebes Bieber hinsichtlich Optik und Ertragserwartung „sehen lassen können“.

Zum Abschluss der Betriebsbesichtigung berichtete Dr. Jochen Krauß, Wissenschaftler am Lehrstuhl für Tierökologie an der Universität Würzburg, wie sich Öko-Felder von konventionellen Feldern im Hinblick auf Biodiversität unterscheiden. In der Region Bayreuth wurden von dem Biologen Triticalefelder auf Artenreichtum untersucht: Die ökologischen Felder wiesen mehr Pflanzenarten und mehr Bestäuberarten auf, Blattläuse wurden auf den Öko-Feldern hingegeben weniger als auf den konventionellen Feldern gefunden.