Veranstaltungen für Landwirte 2018


Herbsttagung 2018 der Aktion Grundwasserschutz in Würzburg

Kann viehloser oder vieharmer Ökolandbau nachhaltig gelingen, und wenn ja, wie? So lautete das Thema der diesjährigen Herbsttagung in Unterfranken. Rund 80 Interessierte kamen ins Amt für Landwirtschaft und Ernährung nach Würzburg.


Die Referenten: hinten, v.l.: Christian Guschker, Prof. Dr. Knut Schmidtke, Bernhard Schwab, Eugen Köhler; vorne v.l.: Dr. Peer Urbatzka und Dr. Robert Hermanowski

Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sowie das Landesprogramm BioRegio in Bayern haben das Ziel, den ökologischen Landbau als besonders nachhaltige Wirtschaftsweise auszuweiten, weil dieser besonders ressourcenschonend und umweltverträglich ist. Wichtiges Prinzip im ökologischen Landbau ist ein möglichst geschlossener Betriebskreislauf, der am besten erreicht wird, wenn Pflanzenbau und Tierhaltung miteinander kombiniert sind. In Unterfranken wirtschaftet ein Großteil der Ökobetriebe jedoch ohne Tierhaltung. Dieser besonderen Herausforderung stellten sich die Veranstalter und Referenten der Herbsttagung 2018 der Aktion Grundwasserschutz thematisch.

„Auch in viehlosen Betrieben müssen etwa 3-4 Großvieheinheiten Bodenleben pro Hektar ernährt werden“, sagte Heiko Lukas vom Amt für Landwirtschaft in Würzburg in seiner Begrüßung. Dieses Kapital gelte es zu erhalten, z.B. durch den Anbau von Zwischenfrüchten. „Seit Beginn des Jahres 2018 ist jeder Monat zu trocken gewesen. Ohne ausreichend Wasser funktioniert Landwirtschaft nicht“, resümierte Christian Guschker von der Regierung von Unterfranken in seinem Grußwort. „Über 90% der Bevölkerung finden Nachhaltigkeit gut, was sich allerdings genau dahinter verbirgt, darüber sind die Vorstellungen recht unklar“, meinte er.

„Ökolandbau ist wie Zehnkampf eine Gesamtdisziplin, bei der verschiedene Einzeldisziplinen erfolgreich absolviert werden müssen“, erklärte Dr. Robert Hermanowski, Geschäftsführer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) im einführenden Vortag. Für eine ganzheitliche Bewertung von nachhaltigem Wirtschaften seien vielfältige Kriterien nötig. Untersuchungen zeigten, dass Ökobetriebe im Durchschnitt klimaschonender als Konventionelle wirtschafteten.

Im viehlosen Betrieb werden die für die Bodenfruchtbarkeit wichtigen Futterleguminosen häufig zu Gunsten von Körnerleguminosen reduziert. Allerdings führt „der Ersatz von Kleegras durch eine Körnerleguminose zu geringeren Erträgen und schwächeren Qualitäten des nachfolgenden Getreides“, stellte Dr. Peer Urbatzka von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft klar. Die bessere Vorfruchtwirkung eines zweijährigen Kleegrases im Vergleich zu einjährigem Kleegras sei an den höheren Knollen- und Weizenerträgen der Nachfrüchte erkennbar, dies hätten Fruchtfolgedauerversuche in Oberbayern gezeigt.

„Futterleguminosen sind auch im biologisch wirtschaftenden Ackerbaubetrieb existentiell wichtig“, erklärte Prof. Dr. Knut Schmidtke von der Hochschule für Technik und Wirtschaft, Dresden. Der Experte für Bodenfruchtbarkeit im Ökolandbau erörterte, wie der unvermeidliche Nährstoffexport über Marktfrüchte ökologisch wirtschaftender Ackerbaubetriebe durch organische Düngemittel ersetzt werden kann. Innovative Dünger aus Kleegras seien Systeme wie „Cut and Compost“ oder „Cut and Carry“. Hierbei wird junges Schnittgut von Klee kompostiert oder frisch geschnitten direkt auf den Acker ausgebracht.

Eine Einschätzung, ob das Thema Nachhaltigkeit in Zukunft bei der Förderung sowie bei rechtlichen Fragestellungen an Bedeutung gewinnen wird, gab Eugen Köhler vom Bayerischen Bauernverband. „In der neuen EU Öko-Verordnung gibt es keinen Fortschritt im Hinblick auf Nachhaltigkeit“, räumte er ein. In Österreich hätten beispielsweise viele Betriebe bereits im Grünland Versorgungsprobleme mit Phosphor. Mit der neuen EU-Düngemittel-Verordnung sowie der deutschen Klärschlamm-Verordnung gebe es die Möglichkeit, mehr Nährstoffe aus der Lebensmittelkette in den Betriebskreislauf zurückzuführen. Ob diese auch im Ökolandbau erlaubt sein sollen, sei noch zu klären. Für die Gemeinsame Agrarpolitik nach 2020 sei insgesamt nur mit einer moderaten Kürzung im Agrarhaushalt zu rechnen.

„Die Zukunft des ökologischen Ackerbaus in Unterfranken muss nachhaltig sein“, fasste Bernhard Schwab in seinem abschließenden Vortrag zusammen. Neben ökologischen Aspekten wie z.B. einem sorgsamen Umgang mit dem Nährstoff Stickstoff zur Verminderung von Einträgen in Grund- und Oberflächen-Gewässer oder einer vielfältigen Fruchtfolge gehörten auch soziale und ökonomische Aspekte zur Nachhaltigkeit. Aufgrund der höheren Wertschöpfung hätten im Ökolandbau auch Betriebe noch eine Perspektive, die für konventionelle Bewirtschaftung zu klein seien. Wohnortnahe Arbeitsplätze könnten so erhalten bleiben. Das „Bemühen um gute Erträge“ oder der „Aufbau funktionierender Ketten vom Feld bis zum Teller“ durch direkte Kontakte zu Abnehmern oder in der Direktvermarktung seien elementar wichtig für eine nachhaltige ökologische Landwirtschaft.

Die Veranstaltung wurde von Kerstin Spory vom FiBL moderiert.

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10 Jahre Initiative Grundwasserschutz durch Ökolandbau – Lernen durch gute Beispiele auf den Praxistagen in Unterfranken

„Der Vorteil am Ökolandbau ist, dass eine Qualitätskontrolle durch Zertifizierung stattfindet“, erörterte Bertram Eidel (Bereichsleiter an der Regierung von Unterfranken) im Rahmen des Pressegesprächs, mit dem die Jubiläumsveranstaltung der Aktion Grundwasserschutz am 29. Juni im Landkreis Kitzingen auf dem Betrieb von Johannes Scharvogel startete.

Die Projektidee für die Initiative Grundwasserschutz durch Ökolandbau sei es vor 10 Jahren gewesen, „Flächenförderung, Förderung der Vermarktung, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit eng miteinander zu verzahnen“. Unterfranken müsse sich wegen der schwierigen klimatischen und geologischen Voraussetzungen noch mehr anstrengen als der Rest Bayerns, stellte Christian Guschker, Projektleiter bei der Regierung, dar. Da Pflanzenschutzmittel im Ökolandbau nicht eingesetzt würden, könnten sie auch nicht das Grundwasser belasten. In den letzten 10 Jahren gebe es „im Regierungsbezirk bei den Nitratganglinien insgesamt mehr fallende Trends als im Rest Bayerns“. Im „Öko-Boden gibt es nach der Ernte deutlich weniger Reststickstoff, der ausgewaschen werden kann“, dies bestätigten auch Messungen in den unterfränkischen Wasserschutzgebieten, so Guschker. Bernhard Schwab, Koordinator der Initiative, betonte, die Praxistage seien „das Kernstück der Initiative Grundwasserschutz durch Ökolandbau“. Alljährlich kämen die Landwirte in Unterfranken auf Biobetrieben zusammen, „um miteinander zu reden und durch gute Beispiele zu lernen“. Bezirkspräsident Stefan Köhler vom Bayerischen Bauernverband, der die Initiative Grundwasserschutz von Beginn an unterstützt, sagte dass die Entwicklung des Ökologischen Landbaus auch mit einer Ausweitung des Markts verbunden sein muss. „Als Biolandwirt kenne ich meine Abnehmer persönlich und schön ist es außerdem wieder mehr Wertschätzung für meine Produkte zu erfahren“, meinte Betriebsleiter Johannes Scharvogel. Dr. Robert Hermanowski (Geschäftsführer FiBL Deutschland) resümierte, die Kontinuität in der Beratung und den Aktionen der Initiative seien eine Erklärung für den Erfolg der Initiative, der sich in einem überdurchschnittlichen Wachstum in Unterfranken zeigt. Moderiert wurde das Pressegespräch von Kerstin Spory (Projektleiterin FiBL Deutschland).

 

Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer hob in seiner Begrüßungsansprache hervor, dass in Unterfranken 100% des Wassers aus dem Grundwasser gewonnen würden. Zur Sicherung der ortsnahen Wasserversorgung könne der Ökolandbau einen guten Beitrag leisten. „Die ökologisch bewirtschaftete Fläche hat sich in Unterfranken in den letzten 10 Jahren verdreifacht und liegt derzeit bei 11%, damit ist Unterfranken Spitzenreiter in Bayern“. „Wir wollen nicht autark werden aber es ist wichtig, dass wir die Menschen mitnehmen und Wirtschaftskreisläufe in der Region schließen“, so Beinhofer. „Viele der 57 Ökobetriebe im Landkreis Kitzingen sind Idealisten der erste Stunde“ meinte Wolfgang Pfrang in seinem Grußwort.

 

„Es gibt eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz der ökologischen Wirtschaftsweise und der technische Fortschritt bringt Arbeitserleichterungen mit sich“, ergänzte der Vertreter des Amtes für Landwirtschaft in Kitzingen. „Wir leben vom Wissen der Landwirte, die bereits Ökolandbau betreiben. Neue Betriebe profitieren von solchen, die schon länger umgestellt haben“, ergänzte Bernhard Schwab in seiner Ansprache. „Ökolandbau ist gut für den Wasserschutz, wenn man guten Ackerbau betreibt und z.B. gezielt Zwischenfrüchte anbaut, läuft unten wenig raus“, meinte der passionierte Berater.

Auf den nahe gelegenen Feldern wurden anschließend die Zuckerrüben- und Winterweizen-Bestände des Betriebes besichtigt. Betriebsleiter, Johannes Scharvogel berichtete, dass ein Teil seiner Rüben für Südzucker angebaut wird, der andere Teil der Ernte geht über die Vermarktungsgesellschaft RegioBio an Neumarkter Lammsbräu.  Allen Fragen rund um den biologischen Zuckerrübenanbau stand der Nebenerwerbslandwirt, der hauptberuflich als Steuerberater tätig ist, Rede und Antwort. Dass sich der Bio- Anbau bei ihm nicht nur wegen der Flächenförderung rechnet, davon waren die gut 60 Teilnehmer schnell zu überzeugen.

 

 

 

Die Sortenwahl sei im Öko-Anbau sehr wichtig. Welche Weizensorten sich in Unterfranken am besten eigneten, zeigten die fünf bayerischen Öko-Landessortenversuche,  erklärte Bernhard Schwab den Besuchern am Weizenschlag. Im Öko-Anbau solle der Weizen erst Ende Oktober in den Boden kommen, somit könne der Ackerfuchsschwanz besser zurückgedrängt werden. Der Betrieb Scharvogel baut Weizen in 30 cm weiten Reihen an und hackt auch bei Getreide. Als Ergebnis konnten die Teilnehmer sehr „saubere Bestände“ begutachten.

Dr. Franz Ehrnsperger, Firmengründer und Geschäftsführer der Neumarkter Lammsbräu Brauerei erörterte in seinem Vortrag, welche Beiträge Bio-Bier und Bio-Mineralwasser zum nachhaltigen Grundwasserschutz leisten können.

 

„Im Biobier ist nichts drin, was wir nicht wollen“ bereits 1989 habe Lammsbräu das ökologische Reinheitsgebot für Bio-Bier veröffentlicht, so der Braumeister. Für Bio-Mineralwasser gebe es einen Grenzwert von 5 Milligramm pro Liter (mg/l), der für herkömmliches Mineralwasser liegt - wie bei Trinkwasser - um das Zehnfache höher. Bio-Mineralwasser müsse zudem jedes Jahr neu zertifiziert werden. Insgesamt werde im Biolandbau regenerativ gewirtschaftet, dies sei der richtige Weg für eine „enkeltaugliche Welt“.

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Ansprechpartner

Bernhard Schwab
Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
von-Luxburg-Str. 4
97074 Würzburg
Fax 09 31/7904 722