Veranstaltungen 2017


12. Wasserforum Unterfranken
Grundwasserschutz in Unterfranken – unsere gemeinsame Aufgabe

Grundwasser ist die wichtigste Ressource für unsere Trinkwasserversorgung - Grundwasser ist jedoch auch überall unter unseren Füßen und kann sehr leicht verschmutzt werden. Gerade in Unterfranken ist das Grundwasser aufgrund der ungünstigen natürlichen Verhältnisse stärker gefährdet als in den meisten anderen Regionen Bayerns. Daher widmete sich das diesjährige Wasserforum Unterfranken der Gemeinschaftsaufgabe Grundwasserschutz, an der alle sich beteiligen müssen. Nur so kann die kostbare Ressource für nachfolgende Generationen bewahrt werden.

Das Thema stieß auf großes Interesse – auch 2017 war die Zehntscheune des Juliusspitals mit ca. 170 interessierten Teilnehmern – darunter vielen Vertretern von Kommunen und Wasserversorgern – wieder sehr gut besucht.

Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer legte dar, dass weite Bereiche des Grundwassers in Unterfranken wegen der Nitratbelastung als gefährdet gelten. Mit übermäßiger Viehhaltung und einem Gülleproblem sei dies jedoch nicht zu erklären – Unterfranken ist der viehärmste Regierungsbezirk Bayerns. Aufgrund der ungünstigen natürlichen Verhältnisse gelte es hier, genau hinzusehen, konsequent zu handeln und nach gemeinsamen tragfähigen Lösungen zu suchen. Daher appellierte Dr. Beinhofer an die Anwesenden, sich der großen Gemeinschaftsaufgabe Grundwasserschutz anzunehmen und sich dafür zu engagieren.

Eine Möglichkeit dazu bietet die Aktion Grundwasserschutz, deren vielfältige Projekte darauf abzielen, über die Wassersituation in Unterfranken zu informieren, Eigenverantwortung zu wecken, die Akteure zu unterstützen und letztendlich zu einer nachhaltigen Entwicklung in Unterfranken beizutragen. Einen Überblick über diese Projekte bietet die Broschüre „Gemeinsam ein Zeichen setzen“, die druckfrisch von Dr. Beinhofer auf dem Wasserforum vorgestellt wurde. Dabei hob Dr. Beinhofer besonders die Zielsetzung der Aktion „Vom Grundwasserschutz zur nachhaltigen Regionalentwicklung“ hervor. Der Grundwasserschutz sei ein wesentlicher Baustein für die nachhaltige Entwicklung unserer Heimat – auch unsere Nachkommen sollen in Unterfranken noch erfolgreich arbeiten und genussvoll leben können.

Michael Haug, Referatsleiter Grundwasserschutz und Wasserversorgung am Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, verdeutlichte die aktuellen Herausforderungen der Trinkwasserversorgung in Bayern. Zentrales Thema sei hierbei die Versorgungssicherheit. Um die sichere Versorgung der Bevölkerung mit unbedenklichem Trinkwasser zu gewährleisten, müssen technische Struktur und Betriebsorganisation der Wasserversorger stimmen – aber auch der Schutz der Ressource Grundwasser muss gesichert sein. Hierzu gab Michael Haug einen Überblick über die aktuelle Situation in Bayern und zeigte Informationsmöglichkeiten sowie Handlungsempfehlungen für Wasserversorger auf.

Grund- und Trinkwasserschutz in Unterfranken: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? war das Thema von Axel Bauer, Sachgebietsleiter Wasserwirtschaft an der Regierung von Unterfranken.  Auch in Unterfranken ist die Versorgungssicherheit ein großes Thema, zumal es im Trockenjahr 2015 in einzelnen Gemeinden zu Problemen bei der Abdeckung des Spitzenbedarfs in der Wasserversorgung kam. Seit Anfang 2015 liegen die mittleren Monatsniederschläge bis auf wenige Ausnahmen deutlich unter den Mittelwerten, was zu einer deutlich verringerten Grundwasserneubildung führt. Hier sind Aufmerksamkeit und in der Zukunft Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel erforderlich. Gleichzeitig ist die geringere Grundwasserneubildung eine Herausforderung in Bezug auf die Nitratbelastung des Grundwassers. Hier ist Unterfranken aber auf dem richtigen Weg – fast ein Viertel der Messstellen zeigen einen fallenden Trend des Nitratgehaltes.

Einen Nitratsanierungsleitfaden für Trinkwassereinzugsgebiete stellte Dr. Christoph Hartmann von der GeoTeam GmbH vor. Der Leitfaden soll eine Hilfestellung für Wasserversorger darstellen, um durch effektive Kooperationen mit Landwirten in Wasserschutzgebieten unser wichtigstes Lebensmittel zu sichern. Er stellt eine konkrete Anleitung dar, die vom Wasserversorger weitgehend eigenständig umgesetzt werden kann. Der Nitratsanierungsleitfaden wird zurzeit im Rahmen der Aktion Grundwasserschutz erstellt und soll bis zum Sommer erscheinen.

 

Die konkrete Umsetzung der im Leitfaden geschilderten Vorgehensweise stellte Ulrich Leber von den Stadtwerken Bad Neustadt a.d.Saale vor. Die Brunnen im Wasserschutzgebiet „Löriether Tal“ weisen erhöhte Nitratgehalte auf. Hier bestehen schon lange freiwillige Vereinbarungen mit Landwirten, die jedoch lediglich zu einer Stabilisierung, nicht aber zu einer wesentlichen Absenkung der Nitratgehalte geführt haben.  Eine Neukonzeption der Vereinbarungen soll jetzt zu einer effektiven Absenkung der Nitratwerte im Einvernehmen mit der Landwirtschaft führen.

 

Um Anthropogene Spurenstoffe aus der Sicht eines Trinkwasserversorgers ging es im Vortrag von Dr. Nadine Jäger von der Trinkwasserversorgung Würzburg GmbH. Solche in winzigen Mengen im Wasser gelöste Stoffe unterschiedlichster Herkunft wie Medikamente, Pflanzenschutzmittel oder Süßstoffe werden mittlerweile regelmäßig in Oberflächengewässern, in Einzelfällen auch im Grundwasser, gefunden. Da die toxikologische Einordnung in vielen Fällen unsicher und die Elimination von Spurenstoffen schwierig und teuer ist, rief Dr. Jäger zu Aufklärung und Information über die Problematik und das Verbot besonders kritischer Stoffe auf.

 

 

Nicole Nefzger vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau stellte das Projekt „Dieses Brot schont unser Grundwasser – Grundwasserschutz durch weniger Dünger“ der Aktion Grundwasserschutz vor. Die beteiligten Landwirte, Müller und Bäcker zeigen, dass auch mit weniger gedüngtem Backweizen gutes Brot und schmackhafte Backwaren gebacken werden können – während gleichzeitig durch die geringere Düngung das Grundwasser geschont wird. Im Moment wird das Projekt sowohl innerhalb Unterfrankens als auch nach Mittel- und Oberfranken ausgeweitet, interessierte Bäcker sind als Projektpartner herzlich willkommen.

 

In seinem abschließenden Vortrag „Gemeinschaftsaufgabe Grundwasserschutz: Sind wir auf dem richtigen Weg?“ forderte Rudolf L. Schreiber von der Pro Natur GmbH die Zusammenarbeit der Akteure in der Region für eine nachhaltige Regionalentwicklung. Unterfranken müsse seinen Bürgern eine Heimat in einer globalisierten Welt bieten. Hierfür betrachtete er die Aktion an sich, aus Sicht der Region und aus Sicht der Welt und kommt zu der Erkenntnis, dass den beiden Zukunftspartnern Kommunen (Wasserversorger) und Landwirtschaft eine entscheidende Rolle zufällt. Aber auch dem Bürger an sich, denn wir stehen vor der globalen Herausforderung zur Rückkehr des Bürgers in der Region für eine heute überregionale Verantwortung.

 

Vorträge 

Aktuelle Herausforderungen der Wasser­wirtschaft in Bayern – Schwerpunkt Trink­­wasserversorgung
Michael Haug, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz


Grund- und Trinkwasserschutz in Unterfranken: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?
Axel Bauer, Sachgebiet Wasser­wirtschaft, Regierung von Unterfranken


Nitratsanierungsleitfaden für Trinkwassereinzugsgebiete – eine Hilfestellung zur nachhaltigen Sicherung unseres wichtigsten Lebensmittels
Dr. Christoph Hartmann, GeoTeam GmbH

(Hinweis: Bei einer weiteren Verwendung des Vortrags bzw. von Teilen des Vortrags muss vorab eine Rücksprache mit dem Verfasser sowie eine Quellenangabe erfolgen.)

Nitratsanierung – Praxisbeispiel Stadtwerke Bad Neustadt a. d. Saale
Ulrich Leber, Stadtwerke Bad Neustadt a. d. Saale

Unsichtbare Gefahren für das Trinkwasser: Anthropogene Spurenstoffe aus der Sicht eines Trinkwasserversorgers
Dr. Nadine Jäger, Trinkwasserversorgung Würzburg GmbH


Dieses Brot schont unser Grundwasser – Trinkwasserschutz durch weniger Dünger. Erfolge und Aufruf zur Erweiterung der Wasserschutzbrot-Initiative
Nicole Nefzger, Forschungsinstitut für biologischen Landbau


Gemeinschaftsaufgabe Grundwasserschutz: Sind wir auf dem richtigen Weg?
Rudolf L. Schreiber, Pro Natur GmbH